Kinder- und Jugendhospiz Bethel

 
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Interview von Radio "Antenne Bethel" mit Ulrike Lübbert, der künftigen Leiterin des Kinderhospiz Bethel.


Radio Antenne Bethel: Frau Lübbert, herzlich willkommen hier im Studio von Antenne Bethel. Lassen Sie uns doch gleich mal anfangen:

Radio Antenne Bethel: Wen wird denn das Kinderhospiz Bethel aufnehmen?

Ulrike Lübbert: Wir werden Raum bieten für 10 Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzen­den Erkrankungen. Wir werden Raum geben für deren Eltern und für die Geschwisterkinder.

Radio Antenne Bethel: Unterscheidet sich der Auftrag eines Kinderhospizes von dem eines Erwachsenenhospizes?

Ulrike Lübbert: Der Auftrag an sich unterscheidet sich gar nicht so sehr. Es geht darum, Menschen auch in der schwierigsten Situation ein Stück Lebensqualität zu erhalten. Lachen zu ermöglichen, Schmerzen zu nehmen und letztendlich geht es um einen würdevollen Abschied.

Radio Antenne Bethel: Sollten die Kinder dann nach Möglichkeit diese Zeit nicht zu Hause verbringen?

Ulrike Lübbert: Hierin liegt ein Hauptunterschied: Ein stationäres Hospiz für Erwachsene ist ein Angebot für die letzte Lebensphase. Für die letzten Tage und Wochen. Ein Kinderhospiz will die Kinder und ihre Familien auf dem Krankheitsweg begleiten. Es ist ein Baustein in der Versorgungskette und im Vordergrund sollte immer die häusliche Versorgung stehen.

Radio Antenne Bethel: Das heißt, im Normalfall verstirbt ein Kind also nicht im Hospiz?

Ulrike Lübbert: Das wird sicherlich auch vorkommen und unsere Planung sieht auch einen Abschiedsraum und einen Aufbahrungsraum vor. Doch in erster Linie dient der Aufenthalt zur Regeneration, zur Erholung und Unterstützung einzelner Familienmitglieder. Wichtig ist uns auch die Stärkung des familiären Zusammenhaltes. Das Kinderhospiz versteht sich nicht als Ersatz für häusliche Unterstützung, sondern ist als Ergänzung zu sehen.

Radio Antenne Bethel: Was kann denn das Kinderhospiz Bethel leisten?

Ulrike Lübbert: Das kranke Kind erhält alle erdenklichen pflegerischen und therapeutischen Hilfen. Dies entlastet die Eltern ungemein, denn sie können in dieser Zeit nicht nur körperlich neue Kraft schöpfen, sondern ihre schwierige Situation auch reflektieren. Mit Fachleuten oder anderen Betroffenen können sie sich beraten oder seelsorgerliche Unterstützung wahrnehmen.

Radio Antenne Bethel: Und wie ist es dann mit den Geschwistern?

Ulrike Lübbert: Ihnen gilt auch unser Augenmerk, denn häufig sind sie mit der Situation überfordert. Empfinden Einsamkeit oder Schuldgefühle. Sie benötigen eine enge Begleitung und spezielle Angebote. Das können Freizeitaktivitäten sein, aber auch Informationen über die Erkrankung von Bruder oder Schwester. Es gibt in dieser Situation, meiner Meinung nach, auch kein Patentrezept, denn wir müssen jede familiäre Situation individuell betrachten.

Radio Antenne Bethel: Ist ein Kinderhospiz ein besonderer Ort?

Ulrike Lübbert: Ja und nein! Ich denke dass ein Hospiz mehr ist als ein Raum, es ist eine Haltung. Und in Bethel leben wir diese Haltung. Einmal in unseren Erwachse­nenhospizen und auch im Bereich der Altenhilfe, und das seit vielen Jahren. Und demnächst nun auch in einem Kinderhospiz. Auf der anderen Seite wollen wir den Bogen aber auch nicht überspannen. Für die betroffenen Kinder ist wichtig: so viel Normalität wie möglich.

Radio Antenne Bethel: Welche Berufsgruppen werden im Kinderhospiz arbeiten?

Ulrike Lübbert: Schwerpunktmäßig werden dies Pflegekräfte sein und auch pädagogische Fachkräfte. Darüber hinaus werden wir unterschiedliche therapeutische Angebote machen, die ärztliche Versorgung sicherstellen und sicher auch Seelsorge gewährleisten. Natürlich werden wir auch auf ehrenamtliches Engagement zurückgreifen.

Radio Antenne Bethel: Wer unterstützt Sie bei der Planung?

Ulrike Lübbert: Intern können wir auf viel Know-how zurückgreifen, etwa in unserer Kinderklinik und vielen anderen Betheler Einrichtungen. Wir vernetzen uns mit Hilfeangeboten und holen uns Rat in bestehenden Kinderhospizen. Darüber hinaus wollen wir jetzt betroffene Eltern konzeptionell einbeziehen und überlegen derzeit, uns auch wissenschaftlich begleiten zu lassen.

Radio Antenne Bethel: Fiebern Sie schon der Eröffnung entgegen?

Ulrike Lübbert: Das auf jeden Fall, selbstverständlich. Aber der Weg dorthin ist noch weit, und auch nach dem Tag X werden viele Herausforderungen auf uns warten. Neben unserer Kernaufgabe wird dies die Öffentlichkeitsarbeit sein, denn auch im laufenden Betrieb werden wir ganz wesentlich auf Spenden angewiesen sein.

Radio Antenne Bethel: Dann wünsche ich Ihnen Frau Lübbert und dem Kinderhospiz alles Gute und vielen Dank für dieses Gespräch.

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